Meine erste Solo-Show

Ob ich mir vorstellen könne, falls jemand abspringe, eine Sonntagsmatinee zu übernehmen, hatte Till vergangenen Sommer gefragt, als ich im Kulturgewächshaus Birkenried zu Besuch war, um „Konstanz singt“ vorzustellen und auch in der neuen alten Heimat anzubieten. Da ich gerade jede musikalische Chance nutze, die sich zur Weiterentwicklung bietet, sagte ich kurzerhand zu. Ohne ein eigenes Programm zu haben. Ohne bereits zu wissen, was ich tun werde. Am 31.5. um 14 Uhr ist es nun so weit.
Das Zutrauen, dass mir etwas einfallen würde, das hatte ich und das ist eine These, die ich gerne in den Raum stellen möchte: man ist in einem Thema vermutlich wirklich zuhause, wenn man mutig auch ins Unbekannte geht. Und in Bühne und Musik bin ich ja wahrlich nicht erst frisch eingezogen. Seit über 20 Jahren bringt mir mein Musizieren kleinere und größere Gagen ein und die Liste der Bands, in denen ich aktiv war, ist mittlerweile recht lang und die Referenzen mitunter auch ganz ordentlich. Aber ganz vorne saß oder stand ich schon lange nicht mehr. Zuletzt vor über 20 Jahren in meiner Schulband am Johann-Michael-Sailer-Gymnasium (das übrigens ab Herbst meine Tochter besuchen wird; die Zeit vergeht).

Schulband „Dreamcatcher“ 2006 mit Miriam Bamberger, damals: Mörgenthaler (Gesang), Sebastian Beck (Drums), Fabian Baumann (Bass) und Matze Seiler (Gitarre)


Dabei ist es ja nicht so, dass ich es zwischendurch nicht versucht hätte: mein schräges „Happy Birthday“ für meine Freundin – die glücklicherweise trotzdem meine Frau wurde – bei einem Auftritt mit GReeeN in den späten Nullerjahren, dürfte den Dabeigewesenen in unauslöschbarer Erinnerung sein. Und auch bei der Joe Gleixner BigBand durfte ich mich einmal, in Zahlen: 1 mal, ganz nach vorne stellen und mit Simone „Things“ singen. Hart auf die Nase fallen hat aber am Ende mehr genützt als geschadet, würde ich sagen.

Mit Simone Krämer, damals: Wörle, 2009
Die erste „richtige“ Gage, Parkhotel Schmid in Adelsried, 2005

Ich würde sogar behaupten, dass ich „kaltes Wasser“ mittlerweile sehr zu schätzen weiß. Es bringt dich nicht um, wenn du einigermaßen schwimmen kannst, aufmerksam bei der Sache bist und nicht zuletzt ein paar Unterstützer um dich weißt.

Isch so n Oberkrainer, Wechselbass, beginnt in Es, Trio in As, I guck di a!

Udo Heinrich

Mit den Allgäuer Dorfmusikanten sah das kalte Wasser oft so aus, wenn von Udo Heinrich irgendwas aus den Tiefen des ehemaligen Repertoires geholt wurde: „Isch so n Oberkrainer, Wechselbass, beginnt in Es, Trio in As, I guck di a!“ Und los gings. Ich, ohne Noten, oben am E-Bass (wir waren schon zu neunt und sind mit einem 9-Sitzer gereist, deshalb hatte der Keyboarder immer Doppelaufgabe mit E-Bass), unten auch gerne mal über 1000 Leute im Festzelt. Das härtet ab, das schweißt zusammen.

Mit den „Allgäuer Dorfmusikanten“ am E-Bass, 2013


Ob ich die Sängerinnen und Gitarristen um die Publikumsnähe beneidet habe? Meistens nicht. Schon gar nicht am NATO-Tag auf dem Cannstatter Wasen 😅

Warum ich jetzt trotzdem ganz nach vorne komme, ganz alleine?

Weil ich glaube, dass ich was erzählen kann. Weil ich Geschichten habe und mittlerweile auch ganz gerne spreche und moderiere (Mein Job als Handball-Hallensprecher war hier auch eine gute Schule). Wie gut ich das kann, wird sich weisen. Das ist der Kitzel, das kalte Wasser, um dessen Temperatur ich noch nicht weiß. Zwei Stunden werde ich spielen und sprechen von Begegnungen und Geschehnissen auf und neben der Bühne, die mit meiner Musik in den letzten 20 Jahren zu tun hatten.
Zu unserer Hochzeit 2015, von der das folgende Bild stammt, haben die Handballfreunde ein Video produziert, in dem unsere Gäste zu Wort kommen konnten, um uns zu sagen, was sie an Miri und mir schätzen. Und Miris Eltern sagten: Dass ihr uns mit Eurer Musik Freude macht. Darum geht’s. Am 31.5. und jedes Mal, wenn ich mich an die Tasten setze oder die Gitarre in die Hand nehme.

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